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Volksstimme am 17.03.2006

Zehn Altmärker beschreiten gemeinsam
den Weg vom Landwirt zum Energiewirt.
Den bereits sprichwörtlichen Weg vom Landwirt zum Energiewirt beschreiten derzeit zahlreiche Bauern. Deutschlandweit aber bisher einmalig ist ein Vorhaben in der Altmark. Gleich zehn Betriebe fanden sich zusammen, um eben so viele Biogasanlagen bauen zu lassen. Für die Industrie ist das natürlich ein „gefundenes Fressen"!

Altmark. Windkraftanlagen? „Ich mag die Dinger nicht. Die bringen uns keine Wertschöpfung”, lehnt der Belkauer Bauer Jürgen Nagel ab. Er, Detlef Hausmann aus Garlipp, Bernhard Langels aus Schäplitz und Christian Borm aus Meßdorf setzen auf die Verstromung von Biomasse. Alle vier bilden den Anbauerbeirat einer zehnköpfigen Gruppe von Landwirten, die geschlossen in Sachen erneuerbare Energien der Altmark einen gewaltigen Schub nach vorn verpassen wollen. Zwischen Arneburg und Meßdorf, unter anderem in Beelitz, Neukirchen, Garlipp, Schäplitz und Belkau, sollen künftig insgesamt zehn Biogasanlagen betreiben werden.

Bild aus der Volsstimme gescannt

An einem Projekt dieser Art kann die Industrie nicht vorbei. Schließlich handelt es sich um eine Dimension, die deutschlandweit bisher einmalig ist. Dem entsprechend gaben sich die Investoren bei den altmärkischen Bauern auch die Klinke in die Hand, denn je mehr Anlagen in einer Region entstehen, desto lukrativer ist das Geschäft. „Zwei Unternehmen wollten mit Macht rein”, so Initiator Detlef Hausmann. Am Ende entschieden sich die Altmärker für die in Neuisenburg ansässige Dalkia, eine Tochter des französischen Veolia-Konzerns.

Der Zeitplan ist eng gestrickt. Bereits im Juni dieses Jahres soll mit dem Bau begon nen werden. Für den September sieht die Planung vor, dass die erste Anlage ans Netz geht. Bereits im März des kommenden Jahres sollen alle zehn Anlagen produzieren. Kostenpunkt je Anlage: 1,8 Millionen Euro.

Den Zuschlag für den Bau erhielt ein Unternehmen aus Regensburg. Ein Teil der Investitionssumme bleibe aber in der Region, so Hausmann. Denn örtliche Firmen werden als Subunternehmer zum Zuge kommen. So sichern Bauern Arbeitsplätze in der Wirtschaft.

Aber auch in der Landwirtschaft. Fünf bis sieben Stellen, so schätzt Bernhard Langels, könnten insgesamt in den beteiligten zehn Unternehmen erhalten beziehungsweise neu geschaffen werden. Denn .die Biomasse muss angebaut, gelagert und veredelt und anschließend im zweitägigen Rhythmus an die Biogasanlage „verfüttert” werden. Am Ende heißt es, dass vergorene Substrat, ein hochwertiger Dünger, wieder dem Boden zuzuführen. Das ist Kreislaufwirtschaft pur. Denn wertvolle Nährstoffe bleiben erhalten und kommen so wieder zu Einsatz. Der Bauer spart Dünger.

„Unsere Grundidee ist, dass jeder macht was er am besten kann”, so Hausmann. „Wir Landwirte sind die Anbauer der Biomasse und Beschicker der Anlage. Die Industrie investiert und kümmert sich um Service und Wartung.” Auch das bringt Arbeitsplätze. Bei zehn Standorten auf engem Raum- lohnt sich nämlich die Beschäftigung eines Service-Teams.

Mit jeder dieser Anlagen sollen 500 Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Dies geschieht durch Trockenfermentation, wodurch eine Geruchsbelästigung ausgeschlossen ist. Zum Einsatz kommen also keine Gülle, sondern nur pflanzliche Feststoffe. In erster Linie werde es sich dabei um Maissilage handeln. Etwa 180 bis 200 Hektar Anbaufläche werden so pro Standort gebunden. Aber auch Grassilage, Roggenganzpflanzensilage, Sudangras' und Sonnenblumen sind im Gespräch. "Eben alles was Masse und Energie bringt", fasst Christian Borm zusammen. Die Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, verabschiedet am 1. August 2004, macht die Stromerzeugung für die Landwirtschaft lukrativ. Der Preis für die Biomasse ist zwischen den Partnern vertraglich geregelt. Das bringt den Bauern Planungssicherheit. „Wir wissen, was uns in diesem Punkt erwartet.” Bei der Erzeugung von Rohstoffen für die Lebensmittelproduktion habe der Bauer diese Preissicherheit nicht.

Die Getreide- und Landhandelsbranche sei es, die das „Treiben” der zehn altmärkischen Energiewirte in spe genau beobachtet Sie wollen wissen was ihnen entgeht", so Jürgen Nagel. Denn der Händler wird nun auf diesen Höfen weniger Dünger ver- und weniger Getreide einkaufen können. Künftig können so auch die Kollegen, die nach wie vor für die Lebensmittelproduktion ihre Felder "bestellen, profitieren, ist sich der Anbauerbeirat sicher. Der getreideüberschwemmte Markt könnte sich stabilisieren. Übrigens hat die Stromerzeugung in dieser Form noch ein angenehmes Nebenprodukt - die Abwärme. „Was wir damit machen, steht noch nicht genau fest”, so Hausmann. Vorstellungen gebe es aber zur Genüge: Die Trocknung von Getreide oder Hackschnitzeln beziehungsweise das Heizen von Wohnungen seien nur drei Beispiele.

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